Interview

Ein Interview ist für mich nichts Alltägliches und entsprechend dankbar bin ich Stefanie Schmid für die überraschende Anfrage.

  1. Sabine, du bist Texterin und schreibst überwiegend für Kunden aus der Wasserbetten-Branche. Wie bist du dazu gekommen dich auf diese Kund:innen zu spezialisieren?

Seit 2006 arbeite ich in Teilzeit für den Fachverband Wasserbett. Als Geschäftsstelle und Pressestelle des Verbandes habe ich über die Jahre ein großes Netzwerk in der Branche aufbauen können, und viele Fachhändler und Hersteller kenne ich auch persönlich.

Ich erinnere mich genau, wie erstaunt ich war, als 2011 eine Fachhändlerin mit einer Bitte an mich herantrat. Sie brauchte eine neue Website und wollte die Texte gern von mir geschrieben haben. Sie erzählte mir, dass sie meine Arbeit für den Verband sehr schätze und die von mir verfassten Texte schlicht genial fände. Ob sie mich bitte privat als Texterin engagieren könne? Verdattert sagte ich zu und machte mich begeistert an die Arbeit. Etwa ein Jahr später kam der zweite Auftrag, wieder ein Fachhändler aus der Wasserbetten Branche. Er hatte die neue Website besagter Fachhändlerin gesehen und wollte von mir gern Blogbeiträge zum Thema. Ob das ginge und er mich privat als Texterin engagieren könne? Klar ging das.

Zu dem Zeitpunkt habe ich mir zum ersten Mal überlegt, ob das nicht ein weiteres Standbein für mich sein könne. Als 2014 mein bisheriges zweites Standbein wegen Geschäftsaufgabe des Wasserbetten Studios wegfiel, wagte ich den Sprung in die nebenberufliche Selbständigkeit und meine erste Website ging im Mai 2014 online.

Seither wächst mein kleines Unternehmen stetig, ohne dass ich je explizit Werbung gemacht hätte. Als introvertierter Mensch liegt mir das nicht und überhaupt dauerte es eine Weile zu erkennen, dass das – was man selbst so gern macht und es einem auch so leichtfällt – für andere wirklich von unschätzbarem Wert ist. Heute bin ich stolz auf meinen treuen Kundenstamm und wenn ich wollte, könnte ich auch hauptberuflich als Texterin arbeiten. Das möchte ich aber nicht, denn ich bin dem Fachverband Wasserbett – durch den alles erst ins Rollen kam – von Herzen dankbar und liebe meine Arbeit auch dort. 2 Herzensjobs sozusagen, ich bin wirklich vom Glück gesegnet.

  1. Was gefällt dir persönlich am Thema Wasserbetten so besonders gut?

Wasserbetten sind für mich viel mehr als ein Schlafsystem unter vielen. Sie sind in ihrer Funktion einzigartig und verändern das Leben nachhaltig zum Positiven. Das kann ich aus eigener Erfahrung berichten. Seit ich in einem Wasserbett schlafe (2003) sind meine jahrelangen Rückenbeschwerden wie weggeblasen.

Es ist unfassbar, wieviel mehr Energie und Lebensfreude einem das schenken kann. Die Erfahrung teilen übrigens viele Fachhändler aus der Branche. Und auch das mag ich – dieses daraus resultierende Gefühl, Gutes – das einem selbst widerfahren ist – an andere weiterzugeben.

Wasserbett Händler sind keine Verkäufer im klassischen Sinn, sie sind Schlaf Experte, Physiotherapeut, Psychologe und Verkäufer in einem. Sie schenken den Menschen mit ihrem Produkt ein erfülltes Leben. Und das wiederum erfüllt mich mit immerwährender Freude und Begeisterung.

  1. Du nutzt das Thema „Storytelling“ für deine Texte. Was ist Storytelling und warum sollte jede:r Geschichten erzählen?

Storytelling ist eine Methode, beim Schreiben eine Geschichte zu erzählen, Bilder im Kopf des Lesers zu erzeugen. Ihn Emotionen fühlen zu lassen. Ihn zu „packen“ und aufmerksam bis ans Ende zu begleiten. Reine Fakten sind ermüdend und werden noch dazu wenig erinnert. Bereichern wir die Fakten mit Emotionen sieht die Sachlage ganz anders aus. Wir erinnern uns. Das ist auch der Grund, warum Storytelling für Texter so ein geniales Tool ist. Jeder Kunde von uns wünscht sich schließlich, dass unser Text dazu beiträgt, dass sein Unternehmen erinnert wird, aus der Masse heraussticht, einzigartig wird. Mit Storytelling gelingt es nach meiner Überzeugung und Erfahrung deutlich besser.

  1. Storytelling und Wasserbetten – wie passt denn das und welche Geschichten erzählst du denn über dein Lieblingsthema Schlafen im Wasserbett?

Storytelling funktioniert in jedem Bereich. Da ist das Wasserbett keine Ausnahme. Nehmen wir als Beispiel die oft geäußerte Sorge, ein Wasserbett könne doch ganz sicher nicht in das zweite Obergeschoß eines Hauses ins nur 12qm große Schlafzimmer gestellt werden. Da bräche doch mit Sicherheit die Decke durch, oder?

Antworte ich nur mit Fakten, sieht das etwa so aus: „Ein Wasserbett weist ein durchschnittliches Gewicht von 200 kg / m2 auf, für ein Doppelbett kommt man so auf ein durchschnittliches Gewicht von 800 kg. Gehen wir also – mit Personen darin – von einer Tonne aus. Die normale Verkehrslast in Wohnräumen beträgt laut DIN mindestens 200 kg / m2, und zwar für jeden einzelnen Quadratmeter des Raumes. Ihr Schlafzimmer könnte demnach mit 2400 kg belastet werden, das Wasserbett stellt also kein Problem dar.“

Die Erklärung kann ich mir aber sparen, denn spätestens beim Wort „Tonne“ ist jeder Leser entsetzt, schlägt die Hände vor die Augen und schreibt den Wunsch nach einem Wasserbett ganz schnell in den Wind.

Besser ist diese Antwort: „Das Gewicht eines Wasserbettes ist vergleichbar mit folgender Situation: Sie planen eine Familienfeier mit 8 Personen. Tisch, Stühle sowie 8 Personen mit durchschnittlichem Gewicht wiegen sogar mehr als ein Wasserbett. Würden Sie also aus Sorge um die Belastbarkeit Ihrer Decke Ihren Onkel Leopold – der viel Mensch auf die Waage bringt – lieber ausladen? Na sehen Sie! Das brauchen Sie ebenso wenig, wie Sie sich Sorgen um das Gewicht eines Wasserbettes machen müssen. Das steht sicher in jedem Raum – auch in Ihrem.“

Diese kleine Geschichte wirkt und beseitigt jeden Zweifel besser als noch so schlaue faktische Zahlen. Und jeder kennt einen Leopold in seiner Familie. Storytelling eben …

  1. Welche Tipps hast du für alle Selbstständigen, die ihr Thema gerne mit Storytelling umsetzen wollen, aber nicht wissen, wie sie anfangen sollen?

Für die Beantwortung dieser Frage habe ich wirklich lange nachgedacht, denn ich fühle mich nicht berufen, andere zu „unterrichten“. Es gibt gute Bücher über Storytelling, aus denen man theoretisch viele Impulse ziehen kann. Wichtiger erscheint mir hingegen die Praxis. Und für die kann ich gern die für mich wichtigsten Punkte hier weitergeben:

  • Frage immer nach dem WARUM. Die Antwort auf die Frage nach dem „warum“ enthüllt deine Story. Bleib in dem Punkt sehr hartnäckig und beharre auf einer Antwort. Kommt keine, gibt’s keine Story und dann ist die Frage, ob dieser Kunde wirklich „dein“ Kunde ist …
  • Höre aufmerksam zu. Unterbrich deinen Kunden nicht, lass ihn erzählen und bring ihn mit geschickten Fragen dazu, mehr zu erzählen.
  • Empathie ist hilfreich. Du musst in der Lage sein, dich in die Situation deines Kunden hineinversetzen zu können. Nicht nur in das, was er ausspricht, sondern auch in das, was er fühlt. Du kannst es an seinem Tonfall, seiner Wortwahl und seiner Redegeschwindigkeit erkennen. Je schneller und flüssiger jemand erzählt, einfache Wörter benutzt und die Stimme höher wird, desto begeisterter ist er gerade. Und desto wichtiger ist gerade dieser Teil des Gespräches für dich.
  • Übe mit alltäglichen Situationen. Schreibe eine Begebenheit aus deinem Alltag auf und lies sie der Person vor, die sie gemeinsam mit dir erlebt hat. Wenn sie aufmerksam zuhört und ein lebendiges Minenspiel hat, hast du deine Sache gut gemacht.
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Werte, auf die ich Wert lege

Werte, auf die ich Wert lege und die ich selbst lebe:

KOMMUNIKATION

Miteinander kommunizieren ist die Voraussetzung, um miteinander arbeiten zu können. Klingt logisch? Ist es auch, und dennoch ist Kommunikation manchmal so schwer. Da ist man nicht ganz zufrieden, traut sich aber nicht, es zu sagen. Da möchte man etwas, rückt aber nicht mit der Sprache raus. Da antwortet man nicht auf eine Frage, weil man gerade anderes zu tun hat. Kann alles vorkommen, sollte nur nicht zur Gewohnheit werden. Ich bevorzuge klare Worte – beim Geben und beim Empfangen. „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ gilt nicht, wenn man gemeinsam etwas erreichen will.

ZUVERLÄSSIGKEIT

Eine Frau, ein Wort – das ist mein Motto. Wenn ich etwas zusage, halte ich das auch. Wenn mir etwas dazwischenkommt, sage ich Bescheid. Wenn ich etwas nicht kann, gebe ich das offen zu. Mein Gegenüber darf klar wissen, auf was es sich verlassen kann. Umgekehrt wünsche ich mir das auch.

WERTSCHÄTZUNG

Das bedeutet für mich nicht, dass wir uns gegenseitig auf die Schultern klopfen und uns unsere Genialität ständig bestätigen müssen. Wertschätzung verstehe ich als eine Art Geisteshaltung. Eine grundlegende Einstellung, die aus Höflichkeit, Respekt, Anerkennung, Vertrauen, Verständnis und Wohlwollen allen anderen Menschen gegenüber besteht. Neid, Misstrauen und Missgunst haben da keinen Platz.

 

Diese drei Werte sind mir in der Tat sehr wichtig, im privaten ebenso wie im geschäftlichen Bereich. Schwächelt jemand in einem Bereich, ist das kein großes Thema. Schwächelt jemand in allen drei Bereichen, werde ich weder als Freund noch als Texterin zur Verfügung stehen. Hart, aber ehrlich.

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Stammkunde oder neuer Kunde: Wer bekommt mehr Aufmerksamkeit?

Ganz gleich, wo ich schaue, es ist überall so: Neue Kunden bekommen einen „Rabatt“, Stammkunden gehen leer aus. Auf den ersten Blick erscheint das logisch. Ohne neue Kunden kein Wachstum, und mit Rabatt eine höhere Chance auf einen neuen Kunden. Natürlich werden auch Stammkunden besondere Angebote offeriert – meistens aber genau dann, wenn man schon längere Zeit keinen Kontakt mit dem Unternehmen mehr hatte. Man wird also belohnt, wenn man kein treuer und regelmäßiger Kunde ist …

Mich hat das schon immer gestört. Es impliziert eine Denkweise, die auf „Masse statt Klasse“ und „Quantität vor Qualität“ beruht. Der Antrieb ist primär „Wachstum“, und „Pflege“ ist sekundär. Wertschätzung wird eingeteilt – die einen bekommen sie, die anderen nicht. Das alles ist ganz und gar nicht meine Philosophie. Denn ich finde:

  • Der Stammkunde ist dein wichtigstes Kapital. Diese Beziehung sollte gehegt und gepflegt werden wie eine zarte Pflanze. Umso stärker wird das Wachstum und die gegenseitige Freude aneinander sein.
  • In schwierigen Zeiten ist der Stammkunde sogar die tragende Säule deines Unternehmens. Er kennt dich und fühlt sich mit dir verbunden. Das bindet …
  • Der Stammkunde ist die beste Werbung, die du je bekommen wirst – und das komplett ohne Kosten. Allein aus dem Grund ist ein Stammkunde unbezahlbar und unendlich wertvoll.

In der Praxis verfahre ich deswegen so:

Neue Kunden zahlen den regulären Preis, Stammkunden einen etwas geringeren. Wird ein neuer Kunde zu einem Stammkunden, teile ich ihm nach einer gewissen Zeit mit, dass er nun von meinem Stammkunden Tarif profitiert und die Kosten um Faktor x sinken.

Ich belohne Kunden für ihre Treue, nicht für ihre Distanz.

Und die Erfahrung zeigt: Es ist für mich der richtige Weg. Mein Stammkunden Kreis wächst und wächst – durch neue Kunden, die mir gern treu bleiben. Weil es sich für sie lohnt. In jeder Hinsicht.

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Was bedeutet das Wort Hilfe für dich?

Helfen ist etwas Gutes. Es bedeutet: Jemand leistet uns Hilfe, bietet uns Beistand, weist Hilfe an oder eilt uns zu Hilfe. Wenn wir um Hilfe bitten, einen Rat brauchen, Trost nötig haben oder die Kontrolle verlieren. Es gibt humanitäre, medizinische, staatliche und finanzielle Hilfe.

Bedeutet Hilfe zwangsläufig, dass sie kostenfrei ist? Oh nein, und dennoch ist genau das – kostenlose Hilfe – in unserem Unterbewusstsein verankert. Dass Hilfe – wird sie uns freiwillig angeboten – kostenfrei ist. Sonst würde es anders genannt. Oder?

Konkretes Beispiel:

Wegen des Lockdown bietet der Staat den Gewerbetreibenden finanzielle Hilfe an. Es ist nicht ihr Verschulden, dass sie schließen müssen, keine Umsätze machen, die Ausgaben aber weiterlaufen. Als Entschädigung für diese Einbußen hilft der Staat mit finanziellen Mitteln. Nett, oder? Wenigstens ein kleiner Lichtblick für die Betroffenen. Jeder von ihnen – mit dem ich gesprochen habe – hat die Aussagen exakt so verstanden. Auch diese Hilfe ist kostenfrei.

Soweit die Annahme, nun zur Realität.

Tatsächlich bekamen die Betroffenen finanzielle Unterstützung im Frühjahr 2020. Zusammen mit einem Schreiben, in dem aufgeführt wurde, wofür das Geld verwendet werden durfte (Miete, Krankenversicherung etc.). Kurze Zeit später ein weiteres Schreiben mit Korrekturen und Einschränkungen. Der zu unterzeichnende Vertrag umfasste mehrere Seiten in kleiner Schrift. Und irgendwo in diesem Wörter Dschungel ist dann zu lesen, dass die finanzielle Unterstützung zurückzuzahlen ist. Ob in voller Höhe oder nur in Teilen, bleibt ungewiss und kann sich noch ändern. Nix da mit kostenfreier Hilfe. Im zweiten Lockdown verzichten viele deswegen auf diese Form der „Hilfe“ …

Was mich empört:

Wenn doch von vornherein klar ist, dass die staatliche finanzielle Hilfe als Kredit gemeint ist, warum wird das dann nicht klar kommuniziert?! Als geschulter Redner weiß man sicher, wie welches Wort allgemein verstanden wird. Und wenn man dennoch Hilfe statt Kredit wählt – wird das dann ganz bewusst gemacht? Als Verfechterin klarer Worte sage ich dazu nur: „Pfui“ …

 

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Wunschkunden

Mein Wunschkunde …

  • Liebt, was er tut
  • macht mit dem, was er tut, die Welt ein bisschen schöner
  • spürt das Feuer seiner Berufung
  • behandelt Mitarbeiter – so vorhanden – wie Menschen und nicht wie Kostenstellen
  • kennt seine Stärken und Schwächen und weiß im Bedarfsfall zu delegieren
  • bevorzugt eine wertschätzende Kommunikation
  • ist zuverlässig und ehrlich
  • hat ein flaches Hierarchiedenken
  • benutzt Verstand und Herz gleichermaßen

Bin ich zu anspruchsvoll?

Vielleicht, aber wisse: Ich wünsche mir nichts, das ich selbst nicht auch zu geben bereit bin …

Und in einer guten Zusammenarbeit ist die richtige Balance – die Chemie, das Mindset – zwischen den Menschen von entscheidender Bedeutung. In jeglicher Hinsicht. Auch in der für den gewünschten Erfolg. Oder sieht das jemand anders?

Ich arbeite ausschließlich mit Wunschkunden. Und bin glücklich. Meine Kunden auch. Warum sollte ich darauf verzichten wollen?

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Fachsprache

Ist es nicht absurd, dass wir – alle die gleiche Sprache nutzend – unter Kommunikationsproblemen leiden? Da versteht A nicht, was B sagt, C interpretiert B falsch, beschwert sich bei D darüber, und B rauft sich die Haare. 

Ein bisschen ist auch die Fachsprache für dieses Dilemma verantwortlich. Wenn du vom Fach bist, ist dir die dazugehörige Fachsprache nach einer Weile derart in Fleisch und Blut übergegangen, dass du sie immer benutzt. Automatisch. Auch, wenn du mit Menschen kommunizierst, die nicht vom Fach ist. Ergebnis: siehe oben.

Auch deswegen werden Texter gebucht, wenn Menschen vom Fach mit Menschen – die nicht vom Fach sind – kommunizieren wollen. Auf ihrer Website, in ihrem Newsletter, in ihren Social-Media-Kanälen. Denn Texter wissen: Ein Text ist nur dann gut, wenn er von einem Schulkind verstanden wird. Kindisch? Nö.

Fachsprache kannst du gern nutzen, wenn du mit „deinesgleichen“ sprichst. Wenn du Wert darauf legst, dass deine Kunden / deine Zielgruppe dich bewundern, kannst du das auch tun. Wenn du hingegen statt Bewunderung mehr Wert auf das „verstehen werden“ legst, sprich klar. Einfach. Ohne Fachtermini.

Beispiele:

Wenn du Arzt bist und deinem Patienten sagst, dass du ihm die Medikamente parenteral verabreichen wirst, wird dieser mit schreckgeweiteten Augen vor dir sitzen und sich alle möglichen Folterinstrumente vorstellen. Sagst du: „Wir schonen Ihren Darm und verabreichen Ihnen die Medikamente deswegen mit einer Infusion“ wird der gleiche Patient erleichtert die Schultern sinken lassen.

Beeindrucken oder Vertrauen gewinnen – du hast die Wahl.

Wenn du einem Kunden ein Angebot für eine Website machst und ihm eine Sitemap empfiehlst, kann es passieren, dass der Kunde abspringt. Kenn ich nicht. Brauch ich nicht. Erklärst du ihm, dass du für seine Website eine Liste aller Unterseiten erstellst, anhand derer Suchmaschinen den Inhalt der ganzen Website besser erkennen und sich das positiv auf sein Ergebnis in der Suche auswirkt, ist der Kunde begeistert. Brauch ich! Wie heißt das Ding? Sitemap? Cool.

Beeindrucken oder verkaufen – du hast die Wahl.

Wenn ich meinen Kunden sage, dass ich als Stilmittel gern die Aposiopese in ihren Texten verwenden möchte, ernte ich betroffenes Schweigen. Erkläre ich hingegen, dass ich die Zielgruppe gern in die Kommunikation einbeziehe, und einen Satz deswegen auch mal unvollendet lasse … Alles klar! Hätten wir das früher gewusst …

Beeindrucken oder verstanden werden – ich habe die Wahl.

Mein Motto:

Ob für meine oder deine Kunden – mit dem beeindrucken wollen habe ich es nicht so …

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Multitasking ist Bullshit

Die meisten Menschen sind stolz auf ihre Fähigkeit, mehrere Dinge gleichzeitig erledigen zu können. Es ist so schön effektiv, so fleißig, so flexibel. Alles andere ist lahm, starr und unerträglich langsam.

Ein Buch lesen, eine Mahlzeit kochen, ein Telefonat führen und gleichzeitig schnell den Müll raus bringen – kein Thema. In Ruhe nur die Kaffeemaschine zu entkalken scheint von einer grenzenlosen Missachtung der kostbaren Zeit zu künden. Zeit, die wir nicht zu haben scheinen. Zeit, die möglichst effektiv genutzt werden muss.⁣

Multitasking verselbständigt sich immer mehr. Niemand findet noch etwas dabei, wenn während einer persönlichen Unterhaltung Mails gecheckt und der Facebook Status aktualisiert wird. Aber stimmt das wirklich? Stört das niemanden? Oder sind wir nur zu höflich, um etwas dazu zu sagen? Fühlen wir uns wirklich wohl, wenn wir uns etwas von der Seele reden und unser Gegenüber murmelt hin und wieder „ah“ oder „oh“. Derweil der Blick immer wieder Richtung Smartphone abschweift?⁣

Es mag altmodisch klingen, aber mir fallen hierzu Wörter wie „Respekt“ und „Wertschätzung“ ein. Wenn ich möchte, dass das – was ich sage – auch gehört wird, muss ich im Gegenzug auch dem – was mein Gegenüber zu sagen hat – zuhören. Ist das nicht so, reden wir halt einfach nur so zum Spaß aneinander vorbei. Wobei man`s dann auch gleich bleiben lassen kann.⁣

Wer sein Gegenüber wertschätzt und ihm mit Respekt begegnet, wird immer darauf bedacht sein, aufmerksam in genau diesem Moment zu sein. Zuhören, wenn der andere etwas zu erzählen hat. Ausschließlich. Denn so wie es unmöglich ist, zwei Gedanken gleichzeitig zu denken, ist es auch unmöglich, richtig zuzuhören und gleichzeitig in sein Smartphone zu tippen. Punkt.

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Vorschnelle Urteile

Wie schnell sind wir doch manchmal mit unserem Urteil über andere Menschen. Die Nachbarin, die uns nicht grüßt, diese doofe Nuss. Meint wohl, sie wäre was Besseres. Der Autofahrer, der beim grün der Ampel nicht in die Pötte kommt und vor sich hinträumt. Aufwachen Mann, hat ja nicht jeder so viel Zeit wie du. Der Kollege, der eine Verabredung nicht einhält und sich noch nicht einmal meldet. Na, der kann mich mal kreuzweise.

 

So schnell ist unser Urteil gefällt und so oft liegen wir mit unserer Einschätzung der Situation völlig daneben. Die Nachbarin ist auf dem Weg zur Arbeit und hat heute ein Gespräch mit ihrem Chef. Voller Angst vor einer Kündigung kreisen ihre Gedanken um die Zukunft. Ihre Umwelt nimmt sie nicht wahr. Der Autofahrer hat trotz seiner Medikamente eine kleine Panikattacke und bemüht sich, mit Hilfe seiner Atmung wieder handlungsfähig zu werden. Nur noch ein paar Atemzüge, dann geht es bestimmt wieder. Der Kollege musste sein Kind ins Krankenhaus bringen, nachdem es von der Schaukel gefallen und sich am Kopf böse verletzt hat. Vor lauter Sorge um sein Kind hat er alles andere völlig vergessen.

 

Wir schauen einem Menschen immer nur vor den Kopf, nicht hinein. Und trotzdem glauben wir zu wissen, warum jemand sich so benimmt, wie er es gerade tut. Gleichzeitig erwarten wir von unserer Umwelt, dass sie unsere Handlungsweisen jederzeit komplett nachvollziehen können. Allein aus dem Grund, weil sie für uns so logisch sind. Paradox, nicht wahr?

 

Wenn wir von unserer Umwelt Verständnis erwarten, ist es ein erster Schritt, selbst verständnisvoller mit seiner Umwelt umzugehen. Und dazu gehört auch, mit seinen eigenen Urteilen etwas weniger vorschnell zu sein. Verständnis kommt von verstehen. Erst wenn wir etwas wirklich verstanden haben, können wir Verständnis zeigen.

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Wer braucht heute noch ein Korrektorat? Niemand! Oder doch?

So schwierig kann das doch nicht sein! Dank diverser Tools für automatisierte Überprüfung von Rechtschreibung und Grammatik geschriebener Texte scheint ein fehlerfreier Text nun wirklich keine Leistung mehr zu sein. Blöd nur, dass diese Tools nicht mitdenken und zum Beispiel diese Fehler als korrekt abhaken:

„Unsere Couch Experten bringen auch Ihre Persönlichkeit auf neues Level.“

Wahnsinn, wozu so ein gutes altes Sofa scheinbar imstande ist. Derweil die Coach Experten die Lacher auf ihrer Seite haben – nur in dem Fall sicher nicht gewollt.

„Sofia hat ein krankes Herz und braucht einen Katheder.“

Warum braucht Sofia jetzt ein Rednerpult? Möchte sie einen Vortrag über ihr krankes Herz halten, oder braucht sie vielleicht doch einen Katheter?

„Konrad weiß über die Stille des Jazz erstaunliche Geschichten zu erzählen.“

Erstaunlich ist es in der Tat, dass Jazz still sein soll. Derweil doch seine Stile von Dixieland Jazz über New Orleans Jazz bis hin zu Cool Jazz alles Mögliche sind. Nur still, das sind sie wohl alle eher nicht.

Ein denkendes Wesen ist – soll der Text wirklich fehlerfrei sein – eine weise Entscheidung.

Das gilt sicher nicht für jede Notiz oder jeden Beitrag in sozialen Medien, sehr wohl aber für die Website eines Unternehmens, Vorträge oder Pressemitteilungen. Beim Korrektorat wird ein Text nicht nur hinsichtlich Rechtschreibung, Grammatik und Interpunktion überprüft, sondern zugleich ein kritisches Auge auf den Stil sowie sachliche – und teils auch inhaltliche – Richtigkeit geworfen.

Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, dürfen Sie sich gern meinen detektivischen Augen – und meinem wachen Verstand – anvertrauen.

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Das bringt mich auf die Palme

Grundsätzlich bin ich ein sehr toleranter und vor allem verständnisvoller Mensch. Womit man mich allerdings sowohl privat als auch beruflich zuverlässig auf die Palme bringen kann, ist das sogenannte Schweigen im Walde. Keine Antwort auf eine per E-Mail gestellte Frage, kein versprochener Rückruf, keine Einhaltung getroffener Vereinbarungen. Allein schon beim Schreiben dieses nervtötenden Verhaltens geht mein Blutdruck in die Höhe.

Mir geht es nicht darum, dass etwas in Vergessenheit geraten kann. Das passiert jedem von uns hin und wieder. Es hat eher etwas von „am langen Arm verhungern lassen“ an sich, was mich auf die Palme bringt. Privat ziehe ich dann irgendwann die Konsequenzen und melde mich auch nicht mehr. Was aber, wenn es einem beruflich passiert?

Konkretes Beispiel:

Ein Kunde möchte Texte von mir. Es gibt Rückfragen und der Kunde möchte diese gern telefonisch mit mir besprechen. Wir vereinbaren einen Termin, er will mich anrufen. In der Zwischenzeit bereite ich mich bestmöglich auf das Gespräch vor, recherchiere zum Thema und notiere Fragen. Ich mag selbst keine immer neu auftauchenden Fragen, die das Voranschreiten eines Projekts verzögern und handle entsprechend. Die Zeit des Kunden ist kostbar. Meine allerdings auch. Am vereinbarten Tag erfolgt kein Anruf. Ich hake am anderen Tag nach, der Mitarbeiter erklärt, er sei im Gespräch, rufe aber gleich zurück. Nada. Ich schreibe eine Mail, keine Antwort. Ich schicke eine WhatsApp, keine Reaktion. Die Zeit verstreicht und nach 3 Monaten verschicke ich eine letzte Mail mit der Info, dass ich das Projekt jetzt vorläufig zu den Akten lege. Unnötig zu erwähnen, dass wieder keine Antwort kam.

Als Entschuldigung könnte vieles zutreffen – Krankheit, Trauerfall, Krise – und ich bin der letzte Mensch, der hierfür kein Verständnis aufbringt. Durch gemeinsame Kontakte weiß ich allerdings, dass nichts davon zutrifft. „Hat halt wenig Zeit“ heißt es nur lapidar. So ein Verhalten verletzt mich und bringt mich auf die Palme. Will ich mit solchen Kunden noch zusammenarbeiten? Muss ich das akzeptieren?

Wo ich privat eine klare Entscheidung treffen kann, ist dies im beruflichen Kontext viel schwieriger. Oder doch nicht? Darf man auch „nein“ zu einem Kunden sagen, für den der eigene hohe Wert namens „Zuverlässigkeit“ nur eine untergeordnete Rolle spielt?    

Schwierige Entscheidung …

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Wir sind alle gleich …

Manchmal bringt mich die Verwendung bestimmter Wörter sehr zum Nachdenken. Das derzeit viel zitierte „Wir sind alle gleich“ ist ein gutes Beispiel.

Jedem ist klar, was es im Prinzip ausdrücken soll, und doch bewirkt die genannte Wortwahl einen Missklang. Da passt etwas nicht. Das stimmt so nicht. Traurig aber wahr.

Vermutlich wurde es aus der Bibel entnommen, in der steht: „Vor Gott sind alle Menschen gleich.“ Nur sind wir Menschen in der Regel weit entfernt davon, ein göttliches Wesen zu haben. Wir urteilen und wir kategorisieren, weil wir einfache menschliche Wesen sind.

Wenn wir etwas an unserem Verhalten ändern wollen, ist es wichtig, das Ziel positiv zu formulieren und zu visualisieren. Allerdings ohne zu lügen, denn eine uns betreffende Lüge glauben wir noch nicht einmal uns selbst. Wer zum Beispiel gelassener werden will und sich sagt: „Ich bin die Ruhe in Person“, hört postwendend seine kritische und hämische innere Stimme: „Ha! Schön wär`s!“ Auch hier hat die Wortwahl einen Missklang. Das stimmt so nicht. „Ich werde von Tag zu Tag ruhiger“ hat eine ganz andere Wirkung – das können wir glauben. Und daran arbeiten.

Wer also eine positive Veränderung anstrebt, sollte bei der Wortwahl unbedingt auf die Wahrheit achten. Eine Lüge verändert nichts, die Wahrheit hingegen ist ein kleiner Same, der mit Liebe und Geduld zu einer reichen Ernte führen kann.

Ist es nicht so besser?

Wir sind alle Menschen.

Wir sind alle gleich ist das Ziel.

Wir behandeln alle mit dem gleichen Respekt ist der Weg zum Ziel.

Mein Weg ist es. Und deiner?

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Was mich als Texterin auszeichnet und was ein Tausendfüßler damit zu tun hat …

Gilt es als Auszeichnung, als Texterin sein Handwerkszeug zu beherrschen? Nein, das ist eine Selbstverständlichkeit!

Gilt es als Auszeichnung, einen besonderen Stil zu haben? Vielleicht. Für mich nicht, denn als Ghostwriter muss ich im Stil meiner Kunden schreiben können.

Was also zeichnet mich aus? Dank meiner Kunden weiß ich es jetzt, denn für uns Selbstverständliches nehmen wir ja oft gar nicht mehr als Auszeichnung wahr …

Ich bin sehr empathisch!

Empathie – die Bereitschaft und Fähigkeit, sich in andere Menschen einfühlen zu können. Emotionen, Gedanken, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen, zu verstehen und nachzuempfinden. Eine Eigenschaft, die mich im privaten Bereich schon oft an den Rand der Verzweiflung getrieben hat. Eine Auszeichnung (und Gabe?) im beruflichen Kontext, wie ich nun weiß. Denn ich kann deine Botschaft mit deiner Stimme erzählen …

Mir reichen hierzu ein paar Minuten mit einem potenziellen Kunden, am besten via Telefon. Fragt bitte nicht, wie ich das mache, sonst ergeht es mir wie dem Tausendfüßler in folgender Story:

Ein Tausendfüßler konnte so schön tanzen, dass der ganze Wald entzückt zuschaute. Das Eichhörnchen fragte ihn nach einer Weile: „Wie machst du das bloß? Es sieht alles so leicht und einfach aus! Hebst du zuerst links das 57. Bein und dann rechts das 43. Bein? Oder ist es links erst Bein No. 55 und 57 im Wechsel und dann rechts Bein No. 48 – du bist zu schnell, ich kann es nicht erkennen!“ Der Tausendfüßler schwieg, dachte nach, verfiel in Zweifel und Gedanken und … konnte nie wieder so schön tanzen!

Fragt also nicht, nutzt es einfach!

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