Liebe stirbt nicht

Als ich 15 war, bin ich per Anhalter durch die Gegend gesaust. Bedeutet: An die Straße stellen, Daumen raus und ins nächstbeste Auto springen, das anhält.

Zu der Zeit war es noch nicht normal, dass Kinder/Jugendliche den elterlichen Shuttle Service wie selbstverständlich in Anspruch nehmen. Ja, es war noch nicht einmal normal, dass jeder Haushalt überhaupt mindestens ein Auto besaß. Unfassbar!

Wollte man als Kind von A nach B, hatte man nur 3 Möglichkeiten:

  • Zu Fuß gehen (aber das dauerte eindeutig zu lang)
  • Mit Bus oder Rad fahren (aber das machten nur die uncoolen Mädels)
  • Trampen! – DAS machten die coolen Mädels.

Ich war ein cooles Mädel und mögliche Gefahren (Entführungen, Vergewaltigungen, Belästigungen) kamen mir gar nicht in den Sinn. Jugendlicher Leichtsinn eben. Meine Eltern waren natürlich nicht begeistert, und während meine Mutter (erfolglos) mit mir stritt, sagte mein Vater gar nichts zu dem Thema. Stattdessen handelte er.

Jedesmal, wenn ich mich an die Straße stellte, folgte er mir unauffällig, kauerte sich hinter einen Busch oder eine Hausecke und notierte das Autokennzeichen von dem Auto, in das ich einstieg. Natürlich blieb mir das nicht verborgen – wie denn auch, wenn man im Rückspiegel den eigenen Vater mit Block und Stift bewaffnet hektisch kritzeln sieht – aber angesprochen habe ich ihn nie darauf. Ich erinnere mich an ein diffuses Gefühl bei meiner Entdeckung. Irgend Gemisch zwischen peinlich, glücklich und sicher. Sollte jemand Böses mit mir im Sinn haben, könnte mein Vater ihn zumindest im Nachhinein identifizieren. So waren wohl meine naiven Gedanken.

Wenn ich heute an diese Situationen denke, spüre ich vor allem eine allumfassende Liebe und Fürsorge, die mich – obwohl mein Vater schon unfassbare 31 Jahre tot ist – noch heute wärmt und schützt wie eine kuschelige Decke und eine liebevolle Umarmung. Und mir das Gefühl gibt, dass mein Paps – wann immer ich an ihn denke – noch heute seine schützende Hand über mich hält.

Das Foto zeigt meinen Vater und mich und ich liebe es unendlich. Sieht man doch schon dort, was mein Vater mit jeder Faser seiner Person ausstrahlte: Liebe! Und die stirbt nicht.

See you in heaven, Papa …

zurück zum Blog