Fachsprache

Ist es nicht absurd, dass wir – alle die gleiche Sprache nutzend – unter Kommunikationsproblemen leiden? Da versteht A nicht, was B sagt, C interpretiert B falsch, beschwert sich bei D darüber, und B rauft sich die Haare. 

Ein bisschen ist auch die Fachsprache für dieses Dilemma verantwortlich. Wenn du vom Fach bist, ist dir die dazugehörige Fachsprache nach einer Weile derart in Fleisch und Blut übergegangen, dass du sie immer benutzt. Automatisch. Auch, wenn du mit Menschen kommunizierst, die nicht vom Fach ist. Ergebnis: siehe oben.

Auch deswegen werden Texter gebucht, wenn Menschen vom Fach mit Menschen – die nicht vom Fach sind – kommunizieren wollen. Auf ihrer Website, in ihrem Newsletter, in ihren Social-Media-Kanälen. Denn Texter wissen: Ein Text ist nur dann gut, wenn er von einem Schulkind verstanden wird. Kindisch? Nö.

Fachsprache kannst du gern nutzen, wenn du mit „deinesgleichen“ sprichst. Wenn du Wert darauf legst, dass deine Kunden / deine Zielgruppe dich bewundern, kannst du das auch tun. Wenn du hingegen statt Bewunderung mehr Wert auf das „verstehen werden“ legst, sprich klar. Einfach. Ohne Fachtermini.

Beispiele:

Wenn du Arzt bist und deinem Patienten sagst, dass du ihm die Medikamente parenteral verabreichen wirst, wird dieser mit schreckgeweiteten Augen vor dir sitzen und sich alle möglichen Folterinstrumente vorstellen. Sagst du: „Wir schonen Ihren Darm und verabreichen Ihnen die Medikamente deswegen mit einer Infusion“ wird der gleiche Patient erleichtert die Schultern sinken lassen.

Beeindrucken oder Vertrauen gewinnen – du hast die Wahl.

Wenn du einem Kunden ein Angebot für eine Website machst und ihm eine Sitemap empfiehlst, kann es passieren, dass der Kunde abspringt. Kenn ich nicht. Brauch ich nicht. Erklärst du ihm, dass du für seine Website eine Liste aller Unterseiten erstellst, anhand derer Suchmaschinen den Inhalt der ganzen Website besser erkennen und sich das positiv auf sein Ergebnis in der Suche auswirkt, ist der Kunde begeistert. Brauch ich! Wie heißt das Ding? Sitemap? Cool.

Beeindrucken oder verkaufen – du hast die Wahl.

Wenn ich meinen Kunden sage, dass ich als Stilmittel gern die Aposiopese in ihren Texten verwenden möchte, ernte ich betroffenes Schweigen. Erkläre ich hingegen, dass ich die Zielgruppe gern in die Kommunikation einbeziehe, und einen Satz deswegen auch mal unvollendet lasse … Alles klar! Hätten wir das früher gewusst …

Beeindrucken oder verstanden werden – ich habe die Wahl.

Mein Motto:

Ob für meine oder deine Kunden – mit dem beeindrucken wollen habe ich es nicht so …

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