Das Internet: Big Data oder Big Filter

Mir geht es wie den meisten Menschen: Wenn ich etwas suche, kaufen möchte, recherchieren muss oder mir etwas unklar ist, gehe ich ins Internet. Diesen großartigen Pool an Wissen aller Art! Klar hinterfrage ich manches kritisch und doch ertappe ich mich immer wieder dabei, dass ich mich oft genug einlullen lasse. Mir fremden Menschen bedingungslos Glauben schenke. Mich von Bewertungen (oftmals gekauften) in meiner Kaufentscheidung beeinflussen lasse. Mir oft genug eben nicht eine eigene Meinung bilde.

Das ist doch eigentlich verrückt, oder?

Denn betrachtet man es einmal ganz nüchtern, stellt das Internet Informationen bereit und bietet eine Software Möglichkeiten, der aber die grundsätzlichen Annahmen der Programmierer über das Funktionieren der Welt zugrunde liegen. Heißt – diese Annahmen fließen in das Programm ein und können – je nach Programmierer – andere Ergebnisse auswerfen. Wenn auch nur in Nuancen. Auch Suchmaschinen individualisieren ihre Suche und - man mag es kaum glauben - es gibt schlichtweg keine neutralen Suchergebnisse. Das kann man ganz leicht nachprüfen, indem zwei verschiedene Personen den gleichen Suchbegriff in eine Suchmaschine eingeben – das Ergebnis wird kurioserweise nicht identisch sein.

Daraus folgt: Das Internet ist ein Informationsfilter, Informationsfreiheit steht auf einem ganz anderen Blatt.

Ich zitiere aus dem Buch „Zero“ des Schriftstellers Marc Elsberg, das mich nachhaltig beschäftigt hat:

„Einen Dienst im Internet in Anspruch zu nehmen, ist, als würdest du in einer fremden Stadt einen Taxifahrer bitten, dich in ein gutes Hotel zu bringen. Im besten Fall tut er das. Im zweitbesten bringt er dich zu einem, das er für gut hält – nur leider hat er ganz andere Vorstellungen als du. Und in den meisten Fällen bringt er dich in das Hotel seines Cousins“.

Für die Zukunft habe ich mir deshalb vorgenommen, etwas kritischer mit all den Informationen aus dem Netz umzugehen. Mir aus all den zur Verfügung stehenden Informationen eine echte eigene Meinung zu bilden. Im Zweifel lieber echte Menschen aus dem Unternehmen und echte Nutzer von diversen Produkten nach ihrer Meinung befragen. Denn im Gespräch von Mensch zu Mensch bin ich - mit ein bisschen Menschenkenntnis - in der Lage zu erkennen, ob hier geflunkert oder versucht wird, mich zu manipulieren. Körperhaltung, Gestik, Mimik und Stimmlage verraten mindestens genauso viel wie die reinen Worte. Und sind nicht steuerbar und somit glaubhafter.

Aber wer weiß, irgendwann gibt es sicher eine Software, die genau das auch kann. Oder gibt es sie vielleicht schon? Eine gruselige Vorstellung …

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