Das bringt mich auf die Palme

Grundsätzlich bin ich ein sehr toleranter und vor allem verständnisvoller Mensch. Womit man mich allerdings sowohl privat als auch beruflich zuverlässig auf die Palme bringen kann, ist das sogenannte Schweigen im Walde. Keine Antwort auf eine per E-Mail gestellte Frage, kein versprochener Rückruf, keine Einhaltung getroffener Vereinbarungen. Allein schon beim Schreiben dieses nervtötenden Verhaltens geht mein Blutdruck in die Höhe.

Mir geht es nicht darum, dass etwas in Vergessenheit geraten kann. Das passiert jedem von uns hin und wieder. Es hat eher etwas von „am langen Arm verhungern lassen“ an sich, was mich auf die Palme bringt. Privat ziehe ich dann irgendwann die Konsequenzen und melde mich auch nicht mehr. Was aber, wenn es einem beruflich passiert?

Konkretes Beispiel:

Ein Kunde möchte Texte von mir. Es gibt Rückfragen und der Kunde möchte diese gern telefonisch mit mir besprechen. Wir vereinbaren einen Termin, er will mich anrufen. In der Zwischenzeit bereite ich mich bestmöglich auf das Gespräch vor, recherchiere zum Thema und notiere Fragen. Ich mag selbst keine immer neu auftauchenden Fragen, die das Voranschreiten eines Projekts verzögern und handle entsprechend. Die Zeit des Kunden ist kostbar. Meine allerdings auch. Am vereinbarten Tag erfolgt kein Anruf. Ich hake am anderen Tag nach, der Mitarbeiter erklärt, er sei im Gespräch, rufe aber gleich zurück. Nada. Ich schreibe eine Mail, keine Antwort. Ich schicke eine WhatsApp, keine Reaktion. Die Zeit verstreicht und nach 3 Monaten verschicke ich eine letzte Mail mit der Info, dass ich das Projekt jetzt vorläufig zu den Akten lege. Unnötig zu erwähnen, dass wieder keine Antwort kam.

Als Entschuldigung könnte vieles zutreffen – Krankheit, Trauerfall, Krise – und ich bin der letzte Mensch, der hierfür kein Verständnis aufbringt. Durch gemeinsame Kontakte weiß ich allerdings, dass nichts davon zutrifft. „Hat halt wenig Zeit“ heißt es nur lapidar. So ein Verhalten verletzt mich und bringt mich auf die Palme. Will ich mit solchen Kunden noch zusammenarbeiten? Muss ich das akzeptieren?

Wo ich privat eine klare Entscheidung treffen kann, ist dies im beruflichen Kontext viel schwieriger. Oder doch nicht? Darf man auch „nein“ zu einem Kunden sagen, für den der eigene hohe Wert namens „Zuverlässigkeit“ nur eine untergeordnete Rolle spielt?    

Schwierige Entscheidung …

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