Auch die Stille hat eine Geschichte zu erzählen …

In den letzten Wochen haben wir erlebt, wie es ist, wenn von einem Tag auf den anderen nichts mehr so ist wie zuvor. Das öffentliche Leben stand größtenteils still und das private beschränkte sich aufs eigene Zuhause. Dass, was wir zuvor stöhnend beklagt hatten – zu wenig Zeit und zu viele Termine – kehrte sich ins Gegenteil. Termine fielen und Zeit dehnte sich aus. Was hat das mit uns gemacht?

 

Unabhängig von den Sorgen gesundheitlicher und auch wirtschaftlicher Art war ich überrascht, wie insgesamt positiv die Menschen mit der neuen Situation umgingen. Wie flexibel sie waren, wie geduldig sie wurden, wie entspannt sie wirkten. Unternehmen zauberten über Nacht einen Onlineshop aus dem Hut, Bildungsstätten wagten sich an Online Schulungen und Solo Selbständige entdeckten die Möglichkeiten der sozialen Medien neu für sich. Offline und Online wuchs zusammen. Ohne die Krise hätte dieser – längst überfällige Prozess – sicher viel länger gedauert. Vor allem aber zeigt es, dass Menschen in der Lage sind, sich blitzschnell auf neue Situationen einzustellen und das Beste aus ihnen herauszuholen.

 

So auch im Privaten. Trotz aller Einschränkungen wirkten die meisten Menschen selten so freundlich, so hilfsbereit und so geduldig auf mich wie in diesen stillen Wochen. Da durften Kinder auf Bäume kraxeln und die Eltern saßen entspannt auf einer Bank und schauten einfach zu. Menschen gingen ohne Ziel einfach nur spazieren oder entdeckten das gemeinsame Spiel neu für sich. Die Frage „wie geht es dir“ war keine Floskel mehr, sondern aufrichtiges Interesse. Die Zukunftsplanungen verflogen wie die Samen einer Pusteblume und nur die Gegenwart zählte. Statt sich aber unwohl zu fühlen mit der mangelnden Planbarkeit der Zukunft schien es so, als würde es viele von einer unbewussten Last befreien. Als würden wir uns wieder daran erinnern, was es heißt, ausschließlich im Hier und Jetzt zu leben.

 

Eine Krise ist nie angenehm und – steckt man in ihr drin – sieht man auch selten das Gute daran. Im Nachhinein aber erkennen wir oft, dass genau durch diese Krise auch etwas mit uns passiert ist, auf das wir nicht mehr verzichten wollen. Und sie etwas Gutes hervorgebracht hat. Ich wünsche mir, dass dies auch bei der jetzigen Krise der Fall sein wird und wir das Gute – das sich schon jetzt zeigt – mit in die Zukunft nehmen. Dass wir die Freundlichkeit, das ehrliche Interesse, die Hilfsbereitschaft, die Geduld und die Gelassenheit beibehalten und vor allem tief in uns erkennen, dass unser Leben sich JETZT abspielt …

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